Gutsmanufaktur Wasserburg Liepen

In der Nähe des Malchiner Sees entstehen Spezialitäten aus der Pomeranze. Leuchtend orange ist die reife Frucht, außen etwas schrumpelig, aber der Mandarine sehr ähnlich. Ganz anders steht es um den Geschmack. Nicht umsonst wird sie Bitterorange genannt. Vor allem die dicke weiße Schicht unter der Schale und die feinen Fädchen zwischen dem noch dazu sehr sauren Fruchtfleisch sorgen für ihre Bitterkeit. Dennoch wird die aus den asiatischen Tropen stammende Zitrusfrucht auf vielerlei Art verwendet, bietet etwa die Grundlage für die typisch englische Marmelade mit ihrem leicht bitteren Geschmack, für den Curaçao-Likor oder die herbe Note des Duftwassers Eau de Cologne. In der Orangerie des Schlosses Basedow züchtete die Familie der Grafen Hahn einst diese exotische Frucht. Heute setzt Verena Gräfin Hahn von Burgsdorff die Jahrhunderte alte Tradition fort und stellt in ihrer Hahnschen Gutsmanufaktur edle Bitterliköre her. Auf der Wasserburg Liepen hat sie dafür den passenden Ort gefunden. Ludolf von Hahn, ein Vorfahr ihres Mannes, errichtete das Bauwerk um 1400 als Wehrburg, nach dem Dreißigjährigen Krieg verfiel das Gemäuer. Erhalten blieb der historische Gewölbekeller, auf dem 300 Jahre später ein barockes Herrenhaus errichtet wurde, in dem die Grafenfamilie heute lebt. 2015 hat sie das bereits sanierte Gebäude von der Gemeinde gekauft und einen Hofladen eingerichtet, in dem sie ihre Spezialitäten verkauft. Auch Verkostungen finden regelmäßig statt.

Den Likör stellt die Gräfin selbst her, eine Mitarbeiterin unterstützt sie dabei. In den Alkohol hinein kommen bestimmte Gewürze und Kräuter – und getrocknete Schalen der Pomeranze. Die machen den Hauptbestandteil ihres Produkts aus, stammen heute jedoch nicht mehr aus der Region, sondern aus dem sonnigen Süden. Drei Monate lang reift der Likör in 50-Liter-Fässern. „Wir setzen jede Woche mehrere Fässer an und die Nachfrage steigt jedes Jahr, das ist deutlich zu spüren. Ohne meine Mitarbeiter wäre es schwierig, die Nachfrage zu bedienen.“ Regionale handgemachte Produkte sind im Trend. Nach dem Einzug in der Wasserburg entwickelte Verena Gräfin Hahn von Burgsdorff den Gewölbekeller gezielt zur Eventlocation, organisiert dort Verkostungen, Feierlichkeiten, beteiligt sich außerdem regelmäßig an Veranstaltungen wie den Offenen Gärten, der Mittsommer-Remise oder dem Tag des offenen Denkmals. „Unsere Burg liegt nun mal etwas abseits der üblichen Touristenrouten, da müssen wir schon etwas nachhelfen, um auf uns aufmerksam zu machen“, sagt sie.

Ein Spagat mit der Familie ist es manchmal. Besonders den Alltag mit den vier Kindern muss die Unternehmerin gut organisieren. „Spontan Interessierte können wir leider oft nicht gut betreuen, da sind manche Besucher auch enttäuscht, was ich natürlich sehr bedaure. Aber nach Voranmeldung ist alles kein Problem.“ Da führt sie die Gäste dann auch gerne über das Anwesen, erklärt, dass früher der Zugang nur über die eine Brücke möglich war, dass die ursprüngliche Bebauung noch auf dem Feldsteinpflaster zu erahnen ist, und schwärmt von der Obstwiesen hinter dem Burggraben. Aus den Äpfeln, Quitten und Pflaumen kocht sie Gelee, was mittlerweile auch im Hofladen angeboten wird. Feste Öffnungszeiten gibt es nicht.

Kontakt:
Hahnsche Gutsmanufaktur
Wasserburg Liepen (nur nach Voranmeldung)
Liepen 32, 17139 Gielow
Tel.: 03 99 57-29 88 60
E-Mail: manufaktur@alte-pomeranze.de
https://www.wasserburg-liepen.de/

Wassermühle Roidin

Die Wassermühle ist wie eine Landmarke in der Region. Schon 1488 wurde hier nahe des Kummerower Sees der erste Mühlenbau urkundlich erwähnt, vermutlich existierte ein solcher an diesem Ort schon viel länger. Die heutige Mühle ist wohl um 1736 entstanden. Bis 1959 war sie in Betrieb. „In unserer Kulturlandschaft haben diese Bauwerke eine ganz zentrale Bedeutung. Das können wir uns heute gar nicht mehr richtig vorstellen“, sagt Christian Bauer, Pastor im Pfarramt Hohenmocker. Ihm war es wichtig, das Gebäude zu erhalten, es vor der kompletten Verwahrlosung und Zerstörung zu bewahren. Jahrzehntelang verfiel das Gebäude. Als sich niemand fand, der das Haus retten wollte oder konnte, hat Bauer es privat gekauft. „Ich habe diese Herausforderung nicht gesucht, sie hat sich mir zugetragen.“ Die Alternative wäre gewesen, das Haus verfallen zu lassen, es dem Vandalismus preiszugeben, der in dieser abgeschiedenen Gegend nahezu vorhersehbar ist. Oder einen Abriss hinzunehmen, Interessenten für das Grundstück gab es einige.

Bauer aber wollte die Geschichte des Hauses wiedererwecken, es aus seinem Dornröschenschlaf holen. Stück für Stück räumte er mit freiwilligen Helfern das Grundstück frei, brachte das ursprüngliche Gebäude wieder zum Vorschein – und das Ausmaß des Verfalls. Mithilfe des Denkmalschutzes entstand ein Konzept für die Sanierung, nach und nach auch Ideen für die spätere Nutzung des Hauses. Bauer sieht es nicht als privates Vermögen, sondern als Ort der Gemeinschaft. Er möchte hier eine Herberge einrichten für Menschen, die das Gelände temporär beleben wollen. Schon jetzt finden regelmäßig Workcamps statt, auch Jugendbegegnungen, zudem ist die Mühle Station einer Pilgerroute. Gemeinsam haben sie angepackt, das Grundstück für einen der letzten Pilgersonntage feinzumachen. „Zusammen macht das Spaß. Immer nur alleine hier zu puzzeln wäre schlimm“, sagt Herta Lippold. Sie ist Organistin in der Kirchgemeinde und bewundert den Pastor für sein Engagement. Besonders, wenn es vorwärtsgeht, freut sie sich mit ihm. So wie im vorletzten Sommer, als das Dach der Mühle gedeckt wurde. Manchen Abend sei sie hier vorbeigekommen und hätte gesehen, mit welcher Leidenschaft Christian Bauer beinahe jeden einzelnen Dachstein, historische Biberschwänze, in die Hand nahm. „Jetzt ist es das schönste Dach Vorpommerns“, sagt sie lächelnd. Oft komme sie auch zwischendurch nur einfach mal so an diesen Ort, genieße die Ruhe, schaue, ob Hilfe gebraucht wird. Zu ihrem Bedauern mache der Pastor nicht immer viel Wind, bitte selten um Hilfe, die aber dringend nötig wäre. Vielleicht möchte er die Hilfsbereitschaft nicht überstrapazieren, vielleicht ist er einfach nur bescheiden. Für ihn selbst sei die Entscheidung für die Mühle jedenfalls eine verhängnisvolle, sagt er.

Jahre wird der Wiederaufbau noch dauern. In dem Backsteinstall nebenan sollen demnächst eine Gemeinschaftsküche und Waschräume entstehen. Viele Kisten und Paletten mit Baumaterial stehen auf dem Grundstück, stammen von anderen historischen Gebäuden aus dem Land, für die es keine Verwendung mehr gibt. In Roidin kann man es gut gebrauchen. Meist sind es Schenkungen, auch von Privatleuten. Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, auch für die nächsten Generationen, dieses Haus zu erhalten, ist Christian Bauer überzeugt. Es seien ganz viele Zukunftsthemen, die an diesem Ort zusammenspielen: Natur- und Landschaftsschutz, der Wasserhaushalt, Kulturgeschichte. „Man darf nicht an alles ökonomisch herangehen.“ Das hat auch die Gemeinde erkannt. „Für uns alle hier ist es wichtig, dass dieser Kleinod erhalten bleibt“, sagt Bürgermeisterin Gisela Schönbeck. Und so unterstützt auch die Gemeinde das Projekt, etwa durch eine Kofinanzierung für die Restaurierung des Stallgebäudes hinter der Mühle. Denn auch Christian Bauer weiß genau: Ohne Geld funktioniert das alles hier nicht.

Kontakt:
Wassermühle Roidin
Roidin 1, 17111 Utzedel-Roidin
Tel.: 0162-9023689 (Christian Bauer)

Voelschow Berg

Mitten im Wald, direkt am Fernradweg Peenetal, liegt Voelschow Berg. Vor knapp dreizehn Jahren hat Christoph Peisker die ehemalige Waldgaststätte im Demminer Stadtwald vor dem Verfall gerettet. Mittlerweile ist das Haus, welches schon um 1780 in schwedischen Matrikelkarten erwähnt worden sein soll, beliebter Veranstaltungsort. Auch die Opernale hat hier bereits Halt gemacht.

Festwiese, Schützenhaus, Waldspielplatz – sogar Tennisplätze soll es im nahen Umkreis gegeben haben. Vieles ist lange her, aber Christoph Peisker und Hannah Kuke bringen wieder neues Leben an diesen Ort. Hochzeiten, Firmenfeiern und Kulturveranstaltungen – sie sind für alles ausgestattet. Es gibt Barbereich und Küche, einen großen Saal und einen kleinen. Mit der Peene fast hinterm Haus kann Voelschow Berg ebenfalls punkten. Auch Tollense und Trebel sind nicht weit. Als es Hannah Kuke vor zehn Jahren der Liebe wegen aus Köln an diesen Ort zog, war sie erst etwas überfordert mit diesem riesigen Gemäuer. „Für uns alleine als Familie empfand ich die 900 Quadratmeter immer als viel zu groß“, erzählt sie. Aber mit der Entwicklung zu einem besonderen Veranstaltungsort ergab sich eine Perspektive. Zusammen mit Partner Christoph Peisker, der sich auf Pyrotechnik bei Konzerten und Veranstaltungen spezialisiert hat, versucht sie den Ort vor allem auch als Konzert- und Festivalort zu etablieren. Verschiedene Bands haben ihn längst für sich entdeckt und kommen gerne zum Proben mitten im Wald vorbei. Metal, Jazz, die Bandbreite ist groß.

Metal-Festival „Ghosts of Dinmin 2023“, 1./2. Septbember 2023

Kontakt:

Voelschow Berg
Devener Holz 3
17109 Demmin
Tel. 03998 2856790
Facebook @VoelschowBerg

WaWiTo Tückhude

Seit 2018 entwickelt der Verein Natürlich Lernen am Tollensetal e.V. (gegründet 2015) das Gelände des ehemaligen Schullandheims in Tückhude bei Alt Tellin zu einem Ort, an dem Natur, Kultur und Bildung auf verschiedene Weise miteinander verzahnt wird. So ist seit 2019 ist an diesem Ort der Wald- und Wiesenkindergarten WaWiKi zu Hause. Aktuell laufen die Planungen für eine Freie Schule, eine Begegnungsschule, die zum Schuljahr 2024/25 ebenfalls an diesem Ort eröffnet werden soll. Hervorgegangen aus einer Elterninitiative wurde das weitläufige Areal in Tückhude stetig weiterentwickelt. „Green Peng“ nannten sie das Projekt, mit dem sie 2021 als Neulandgewinner ausgewählt wurden. Mehr als 30 Akteur*innen, darunter u.a. Künstler*innen, Pädagog*innen, Wissenschaftler*innen, Handwerker*innen und vor allem Ehrenamtliche wirken im Verein mit. Ein umfangreiches Angebot haben sie entwickelt, etwa das Theaterprojekt „Die Grüne Bühne“ und den wöchentlichen Kunstklub – zwei Kreativangebote für Kinder und Jugendliche. Wer sich nicht ins Schullandheim traut, kann am Kunsthänger kreativ werden. Einen ehemaligen Marktwagen, der einst in Altentreptow seine Dienste tat, hat das Team dafür komplett zu einer rollenden Kunstwerkstatt umgebaut. Damit touren sie in der warmen Jahreszeit durch die umliegenden Gemeinden und laden Kinder zum Mitmachen ein.

Aktiv werden, selber gestalten und dort Strukturen entwickeln, wo es zuvor keine gab – das verbindet die Akteure in Tückhude. Vieles ist schon geschafft und doch gibt es noch viel zu tun. Die Freude am Planen und Ideenschmieden ist groß. Ein starkes und aktives Netzwerk mit den umliegenden Gemeinden und Initiativen stützt die Arbeit, da sich viele kleine Initiativen zu einem großen Netzwerk verbinden.

„Wir definieren uns als zukunftsfähiger und kreativer Begegnungs- und Lernort für alle. Unser Ziel ist es, Menschen zu verbinden und Bildung als Mittel für gesellschaftlichen Zusammenhalt und zukunftsfähiges Leben auf dem Land zu etablieren. Dabei soll ein achtsamer Umgang mit der Natur das ökologische Bewusstsein stärken und zu einer positiven Mitgestaltung der Landschaft motivieren“, sagt Alina Wander vom Vereinsvorstand. „Unser Miteinander ist durch Offenheit und Vielfalt, Gleichberechtigung und kritisches Denken geleitet. Wir streben Nachhaltigkeit, Selbstverwirklichung, Emanzipation, Freiheit und Solidarität an. Wawito verwirklicht diese Werte nicht nur innerhalb der Projekte, sondern bringt diese auch in gesamtgesellschaftliche und politische Prozesse aktiv ein.“

Mit dem Landkombinat e.V. aus Gatschow und dem Fritz Greve e.V. aus Malchin bildet der Verein das regionale Netzwerk „Lernen im Fluss“, welches Menschen und Orte in der Region für eine Bildung der Zukunft verbindet und weiter zusammenwachsen lässt.

Kontakt:

WaWiTo
Tückhude 7
17089 Golchen
E-Mail: info[a]wawito.de

www.wawito.de

T30 e.V. Demmin

Seit 2018 gibt es den Verein, der sich Projekte in Kultur, Gesellschaft und Bildung in Demmin auf die Fahnen geschrieben hat. Der Name T30 steht übrigens für dessen Anschrift in der Treptower Straße 30. In dieser zentralen Lage versucht der Verein, auf Kunst und Kultur aufmerksam zu machen und gesellschaftliches Engagement zu fördern. Dabei sind der gemeinsame Austausch und die Vernetzung besonders wichtig. So hat das Team um Sarah Dittrich und Hannah Kuke ein Vereinsnetzwerk gegründet, um die Engagierten in Demmin zusammenzubringen. „Immerhin hat die Stadt laut Vereinsregister 70 Vereine“, sagt Hannah Kuke. „Auf die 10.000 Einwohner gerechnet, ist das schon sehr viel.“ Um diese alle sichtbarer zu machen und miteinander ins Gespräch zu kommen, finden regelmäßige Netzwerktreffen mit Weiterbildungsangeboten und Workshops zu verschiedenen Themen rund um das Vereinsleben statt. Aber auch viele andere Projekte hat der T30-Verein (https://www.t30-demmin.de/) schon ins Leben gerufen. Etwa ein Zeitzeugencafé zur Aufarbeitung der bewegten Geschichte der Stadt, insbesondere zum Ende des Zweiten Weltkriegs.
Bereits zweimal zählte der Verein auch zu den Neulandgewinnern (https://neulandgewinner.de/), wurde über das Programm der Robert-Bosch-Stiftung gefördert, um eine Anlaufstelle für ehrenamtliches Engagement in Demmin zu entwickeln und die Bürger für Beteiligungsprozesse und Mitsprachemöglichkeiten zu sensibilisieren. Auch kulturelle Aktivitäten in der Stadt gestaltet der T30 aktiv mit. So wurde der Kulturring Demmin (https://www.kulturring-demmin.de/) als Verbundprojekt des T30 e. V. mit dem Lübecker Speicher Demmin ins Leben gerufen, um die kulturell Aktiven aus Demmin zusammenzubringen, den Austausch zu fördern und Synergien zu nutzen. Neben einem regelmäßigen Kulturstammtisch werden Kunstaktionen organisiert und Künstlerstipendien vergeben. Dadurch wurden bereits mehrere Nicht-Demminer Künstler*innen für einen zweimonatigen Aufenthalt mit künstlerischem Wirken in die Stadt geholt. 2020 war der aus Südkorea stammende Performance-Künstler Minjae Lee in Demmin und hat seine Performance „Leerraum“ im Pavillion im Marienhain aufgebaut. Neun Tage lang füllte er dafür einen raumgroßen durchsichtigen Ballon – mit dem Einzigen, was beweist, dass er als Mensch existiert, dass er lebt: seinem Atem. Für den Künstler eine weitere Auseinandersetzung mit dem Thema Angst.

Ein Jahr später war die Autorin und Poetry Slammerin Theresa Steigleder Artist in Residence in Demmin. Sie ist noch heute mit der Stadt verbunden, gibt Schreibworkshops zum kreativen Schreiben. Auch andere Kreative lockt der T30 mit seiner Arbeit an: Annette Leipold hat neben dem Büro ihre eigene Nähwerkstatt eröffnet und gibt dort nun Kurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Mit der „Zentrale“ in der Treptower Straße 30 hat Sarah Dittrich noch mehr vor: Die alte Backstein-Remise im Hinterhaus soll Gemeinschaftsbüro mit Werkstatt-Atelier und Seminarraum für Vereine und gemeinnützige Akteure in Demmin werden. „Dort wollen wir den Vernetzungsgedanken und Informationsaustausch noch gezielter fördern. Im besten Fall entstehen hier neue Kooperationen und Projekte in der Stadt. Es darf gelernt und ausprobiert werden: Kunst, Handwerkskurse, Philosophie-Salons, Körpertherapien, vieles ist denkbar.“

Die Zukunft des Vereins ist immer auch abhängig von den aktuell laufenden Projekten mit der abhängigen Finanzierung. Ab Januar 2023 wird der T30 e.V. die Koordinationsstelle für Demokratie Leben in Demmin übernehmen. Auch das Kulturfloß auf der Peene befährt 2023 unter der Flagge des T30 e.V. wieder den Amazonas des Nordens und schippert zwischen Anklam und Kummerower See unterschiedlichste Musiker und Musikerinnen für Konzerte zu kleinen Wasserwanderrastplätzen, verwunschenen Waldgaststätten und Dorfgastronomien (https://www.t30-demmin.de/neues-projekt-kulturfloss-peene/).

Kontakt:
T30 e.V.
Treptower Str. 30
17109 Demmin
E-Mail: info@t30-demmin.de
www.t30-demmin.de

Sommergalerie Annette Mecklenburg

Kräftig leuchtende Farben prägen die Ölbilder von Annette Mecklenburg. Sie widmet der Entstehung ihrer Werke viel Zeit und Leidenschaft. Seit 25 Jahren lebt und arbeitet die Künstlerin in Klein Gievitz nahe Waren an der Müritz. Hier hat sie sich mit der eigenen kleinen Sommergalerie einen langgehegten Wunsch erfüllt.

Das Gelb der Sonne erfüllt nicht nur den Raum, sondern findet sich auch in nahezu allen Bildern der Künstlerin Annette Mecklenburg wieder. Es ist, wie eine besondere Verbindung zwischen dem natürlichen Element des Lichts, dem Material des Raums und den Bildern. Die Motive sind Frauen, meist einzeln, selten auch zu zweit. In sich ruhend wirkt jede, innehaltend für den Moment. Dennoch zeigen die Bilder sie in ganz individuellen Situationen, dem eigenen Umfeld. Frauen, mit denen sich die Künstlerin verbunden fühlt. Genau erklären kann sie es nicht. „Es gibt keinen Plan für ein bestimmtes Motiv, es ergibt sich.“

Schicht für Schicht trägt sie ihre Farben auf, die eine enorme Kraft entfalten. Auch der Zufall spiele manchmal eine Rolle, vieles sei jahrelange Erfahrung. Früher gefielen der gebürtigen Schwerinerin Ölbilder in den Museen überhaupt nicht. Viel zu dunkel waren sie ihr. Aber mit dem Kennenlernen des Expressionismus begeisterte sie sich dann für die Farben. Heute ist die Ölmalerei ihre große Leidenschaft, in die sie all ihre berufliche Zeit investiert. Firnis gibt den kräftigen Ölfarben eine besondere Tiefe und Brillanz, macht die Bilder unempfindlich und langlebig. „Manchmal braucht ein Bild ein Jahr, bis es richtig durchgetrocknet ist“, sagt sie. In ihrem Atelier über der Galerie arbeitet sie bisweilen über viele Wochen an zwei oder drei Bildern gleichzeitig.

Neben ihrer Arbeit als Künstlerin ist Annette Mecklenburg vor allem Familienmensch, hat mit ihrem Mann Christian drei Kinder großgezogen. 1996 zogen sie nach sieben Jahren Berlin, wo sie an der Hochschule der Künste studierte, aufs Land. Beim Radfahren durch Mecklenburg entdeckten sie die Region um Waren für sich. Sie kauften die Hälfte eines alten Bauernhauses und stellten sich der Herausforderung, das alte, kaputte Gemäuer zu renovieren.

Platz für ihre Malerei war zu diesem Zeitpunkt in einem Bauwagen, später in einem kleinen Raum im Wohnhaus. Seit knapp sechs Jahren findet ihr Atelier im lichten Geschoss über der Galerie Platz.

Schon lange hatte Annette Mecklenburg den Wunsch, einen eigenen Ausstellungsort für ihre Bilder zu gestalten, unabhängig zu arbeiten und für ihre Gäste und Betrachter präsent zu sein, „einen Ort zum Wohlfühlen, für mich und meine Besucher.“  Dafür haben sie und ihr Mann die zweite Haushälfte dazugekauft und mit natürlichen Materialien hergerichtet. Dort präsentiert sie nun jährlich ab Pfingsten ihre eigene Ausstellung, immer kombiniert mit Gastkünstlern, die mit ihren figürlichen oder plastischen Werken das Interieur passend ergänzen.

Kontakt:

Galerie Annette Mecklenburg
Klein Gievitz 10, 17192 Peenehagen
Tel.: 039934 7526
E-Mail: mail@kunstkucken.de
Geöffnet ab Pfingsten (zu Kunst offen) bis September
https://www.annettemecklenburg.de/

Papierziege Claudia Burmeister

Mit Gouachefarben, die entweder deckend oder lasierend angewendet werden können, Buntstiftzeichnung und gedruckten Strukturen empfindet sie Geschichten gestalterisch nach und macht sie dadurch auch visuell für Kinder erlebbar. Mehr als zehn Kinderbücher hat Claudia Burmeister auf diese Weise schon illustriert, dazu eine Reihe Schulbücher. Dabei war es reiner Zufall, dass 2014 ein Verlag ausgerechnet auf die Illustratorin aus der Mecklenburgischen Schweiz gestoßen ist. Mittlerweile arbeitet Claudia Burmeister, die ihre Illustrationen auch unter dem Künstlernamen Papierziege (https://www.papierziege.de/) anbietet, mit mehreren Kinderbuch-Verlagen fest zusammen. Aber Claudia Burmeister malt nicht nur für Kinder (und Erwachsene). „Als Illustratorin biete ich auch Workshops und Kurse an, in denen ich meine intuitive und experimentelle Arbeitsweise versuche, an Kinder im Vor- und Schulalter weiterzugeben. Dabei möchte ich vor allem die Liebe zu Büchern und Geschichten mit den Kindern teilen und den Beruf der Illustratorin vermitteln.“ Das Ausprobieren ist in ihren Workshops sehr wichtig. „Die Kursteilnehmer*innen sollen viel lieber zu einer eigenen Formensprache finden, als direkt ein fertiges Ergebnis vorzulegen“, sagt Claudia Burmeister.

Über 20 Jahre ist es nun her, dass sie selbst mit dem Zeichnen und Illustrieren angefangen hat. Dies jedoch schon auf einer weit höheren Ebene, als Schülerin der Grafikdesign-Schule in Anklam, die damals in einer stillgelegten Möbelfabrik untergebracht war. „Der Fokus während der Ausbildung lag auf dem Handwerk. Naturstudium, Fotografie, Siebdruck, Illustration, Schriftgestaltung – wir konnten alles ausprobieren. Es ging darum, einen Blick zu bekommen für Linien und Formen. Dafür hatten wir hervorragende Lehrer und Dozenten, wie Simone Waßermann, Harald Larisch und nicht zuletzt Gründer Otto Kummert“, erinnert sich Claudia Burmeister, die während des Studiums auch Kurzgeschichten von Franz Kafka illustriert hat.

Seit 2018 ist Claudia Burmeister nun Mitglied im Künstlerkollektiv POPPY FIELD (https://www.poppy-field.de/), einem Netzwerk von Illustratorinnen aus MV, die gemeinsam Illustrations-Projekte umsetzen. Seit vielen Jahren arbeitet sie außerdem mit dem Kultur- und Kunstverein Waren e.V. (http://www.kulturverein-waren.de/) zusammen, außerdem illustriert Claudia Burmeister regelmäßig für das VielSehn-Magazin (https://www.vielsehn.de/).

Wichtiges aktuelles und zukünftiges Projekt ist die eigene Galerie und Atelierwerkstatt, die gerade im Entstehen ist: Die „Alte Büdnerei 13“ ist eine Produzentengalerie, ein Atelier für Grafik und Illustration. Dort sollen regelmäßige Veranstaltungen stattfinden, wie Ausstellungen, Lesungen sowie Zeichenkurse als Einzelunterricht oder in Kleinstgruppen. Ab Frühjahr will Claudia Burmeister damit beginnen, die Galerie tageweise zu öffnen.

Kontakt:
Papierziege Claudia Burmeister
Straße der Einheit 4, 17139 Gielow
Galerie: Alte Büdnerei 13, Beethovenstraße 13, 17139 Gielow
www.papierziege.de, claudi@papierziege.de
Tel.: 039957299889

Mühlenhof Altkalen

In Altkalen betreibt Detlef Preuß die letzte noch regelmäßig mahlende Mühle im Nordosten. Seit über 120 Jahren ist sie im Familienbesitz und versorgt die Region mit ihren Produkten. „Es war unser Glück, dass mein Vater nach dem Krieg nicht enteignet wurde“, sagt Detlef Preuß. Als sogenannte Zwischenbetriebliche Einrichtung blieb dieser der Besitzer der Mühle – mit nur einem Kunden, der LPG. Für die wurde in der Mühle bis 1990 Mischfutter produziert. Und sie blieb im Familienbesitz, seit 1896. Eine Tonne Getreide pro Tag könnte Detlef Preuß hier vermahlen. Stattdessen sind es 10 bis 15 Tonnen pro Jahr. „Mehr ist unter den jetzigen Bedingungen nicht zu schaffen“, sagt er. Mehr mahlen bedeutet auch mehr Arbeit. Die ist schon jetzt für ihn alleine gerade so zu leisten. Und auch der Verschleiß an der Mühle wäre größer, der Wartungsaufwand würde steigen, zusätzliche Kosten für Personal und Material wären nötig. So eine historische Mühle könne man heutzutage nicht mehr wirtschaftlich betreiben, ist Detlef Preuß überzeugt. „Jedenfalls nicht hier in unserer Region.“ Sein Ziel ist es, die Mühle zu erhalten, das Handwerk zu bewahren und alles regelmäßig in Bewegung zu haben. 1988, ein Jahr nach dem Tod des Vaters, hat Detlef Preuß den Beruf des Müllers gelernt, in der damals modernsten Mühle der DDR in Potsdam. Facharbeiter für Körnerver- und -bearbeitung nannte sich das damals ganz genau. Die Ausbildung war nötig, damit der gelernte Schmied den Familienbetrieb am Laufen halten konnte. Nach der Wende war erstmal Schluss damit.

Stattdessen boten sich andere Chancen. „Die Fördertöpfe waren damals voll. Aber kaum einer hat sie abgerufen, weil viele Eigentumsverhältnisse unklar waren oder die Rückübertragung dauerte.“ Hürden, die Preuß nicht zu überwinden hatte. Er gründete einen gemeinnützigen Verein, den Mühlenhof Altkalen e. V., und trieb die Restaurierung der Mühle voran. Bis 2005, über zehn Jahre lang, liefen die Arbeiten. Die Pläne für die Zeit danach reiften erst währenddessen. Ein Erlebnisort, an dem das alte Handwerk lebendig bleibt, ist entstanden. Von Ostern bis September backt Detlef Preuß immer mittwochs Brot im Freilandbackofen, welches die Kunden dann frisch vor Ort kaufen können. 40 bis 50 Brote jede Woche, in der Saison auch mal zwanzig mehr. Das Getreide dafür bezieht der Müller von Bio-Landwirten aus der Gegend. Auch das daraus gemahlene Mehl hat kurze Wege. Ein lokaler Bäcker backt daraus ein traditionelles Mühlenbrot, ein regionaler Hersteller von Fischfeinkost paniert seinen Brathering mit dem Vollkornmehl aus Altkalen.

Seit ein paar Jahren beobachtet Detlef Preuß einen Trend zu mehr gesunder Ernährung, mehr Regionalität. „Viele fangen wieder an, selbst zu backen. Unser Roggenvollkornmehl ist perfekt zum Ansetzen von eigenem Sauerteig.“ Aber der Müller weiß auch, dass man sich die Entscheidung für so ein handgemachtes regionales Produkt auch leisten können muss. Noch läuft alles wie immer. Detlef Preuß mahlt das Mehl für die Kuchen, die er für das Hofcafé backen wird; produziert auf Bestellung für seine Stammkunden. Heute wird das Mahlwerk vom Elektromotor angetrieben. Um das große Mühlrad in Gang zu setzen, sind die Mengen zu klein, der Aufwand zu groß. Nur ab und zu treiben die vier großen Flügel das Mahlwerk noch an.  Meistens trifft man Detlef Preuß auf dem Mühlenhof allein. Deshalb ist er froh, wenn größere Gruppen sich vorher anmelden. Dann kann er frühzeitig Hilfe organisieren und genügend Brot und Kuchen vorbereiten. Dieser wird in der großen Veranstaltungsscheune, bei gutem Wetter auch auf der Terrasse davor, serviert.

Adresse
Mühlenhof Altkalen e. V.
Mühlenhof 5, 17179 Altkalen
Telefon: 039973 – 70388
http://www.windmehl.de/

Ostern – September: mittwochs Backtag

Mittelhof Gessin e.V.

Innenansicht Hofladen Gessin

Ein kleines 60-Seelen-Dorf, in dem es trotzdem alles gibt, was nötig ist – so könnte man den Ort Gessin bei Malchin wohl beschreiben. Ein Dorfgemeinschaftshaus, montäglicher Mittagstisch, Tanzveranstaltungen, Malgruppen, sogar ein ausgezeichnetes Programmkino gibt es hier. Zentrum ist der Mittelhof, auf dem Bernd Kleist und Ehefrau Maria seit knapp zehn Jahren auch einen Dorfladen mit Naturkostsortiment (https://www.dorfladen-gessin.org/ ) betreiben. Der Hof ist ein wichtiger Treffpunkt. Hier laufen die Fäden im Ort zusammen, werden neue Pläne geschmiedet. Etwa eine Mitfahrzentrale, oder ganz aktuell, das Dörp Mobil, ein Elektrofahrzeug, das von den Dorfbewohnern gemeinschaftlich genutzt werden kann. Die großen Themen sind nachhaltige Bildung, kulturelle und soziale Teilhabe, die Förderung dörflicher Strukturen, nachhaltige Mobilität, regionale Versorgung, lokale Ökonomie sowie Gesundheitsförderung.

Im Dorfladen trifft man sich zum Kaffeetrinken, hier gibt es eine Poststation. Auch die regionale Vermarktungsplattform Meck-Schweizer (https://meck-schweizer.de/) wurde in Gessin gegründet. Die Idee: regionale Produkte von den Produzenten in die Läden und zu den Gastronomen zu bringen. Mit Elektro-Fahrzeugen werden die Produkte von den Erzeugern abgeholt und zu den Händlern gebracht. Werden die E-Autos nicht gebraucht, stehen sie für Carsharing oder Mietwagenservice inklusive Fahrer zur Verfügung. Wissen austauschen, Strukturen teilen, Ressourcen schonen und effizient einsetzen – das spielt bei allem, was die Gessiner um Bernd Kleist anpacken, eine übergeordnete Rolle. Dafür findet auch ein reger Austausch mit anderen Initiativen in der Region statt, allen voran dem Projekthof Karnitz und dem Regionalbündnis Mecklenburgische Schweiz. Das Ende der Fahnenstange ist längst nicht erreicht: Die Akteure wünschen sich, mehr Menschen mit ihren Angeboten zu aktivieren und sie auch zu motivieren, selbst etwas anzubieten, aktiv mitzumachen. Ein großer Traum ist eine Senioren-WG im Ort. Die Pläne für einen solchen gemeinschaftlichen Alterssitz liegen seit Jahren in der Schublade. Gut möglich, dass sie demnächst Form annehmen.

Aktuelle Termine/Angebote:
Montag:
12-13 Uhr Mittagstisch (Anmeldung unter www.fretbuedel.de/collections/mittagstisch oder ziggel@meck-schweizer.de)
17-18 Uhr Vinyasa Yoga
18:30 – 19:30 Kundalini Yoga
Dienstag:
18 – 19:15 Dharma Yoga
Mittwoch:
16:30 – 19 Uhr Handarbeitskurs
Donnerstag:
18:00 Spieleabend
Freitag:
20 Uhr Kino

Wechselnde Kulturveranstaltungen

  • Backtag
  • Kräuterwanderung
  • Konzerte
  • Workshop: Fledermaushaus bauen
  • Workshop: Zukunftsfähige Landwirtschaft und Permakultur
  • Workshop: Obstbaumschnitt
  • Ausstellung: Kunst Offen
  • Ausstellung: Fairpachten

Mehr unter http://gessin.de/veranstaltungen

Adresse

Mittelhof Gessin e.V.
Gessin 7 a
17139 Basedow
E-Mail: ziggel@meck-schweizer.de
Tel.: 039957-299816

Gutshaus Waldberg

In einem ehemaligen Gutshaus von 1835 vor den Toren Demmins haben Simone und Markus Brentrup 2021 einen Concept-Store für mit Kunsthandwerk und Artikel kleinerer Label eingerichtet. Simone Brentrup hat hier ihr außerdem ihr kleines Nähatelier: Seit 2012 näht und verkauft die gelernte Arzthelferin selbstgeschneiderte Damenbekleidung. Mäntel aus schlichtem Wollfleece, geblümte Softshelljacken, bunte Kleider und Tuniken im skandinavischen Look hängen auf Kleiderstangen im Atelier. Unter dem Label „Froeken Frida“ verkauft sie diese mittlerweile weltweit über ihren Onlineshop. „Es ist verrückt zu wissen, dass meine Sachen auch in Korea oder Australien getragen werden“, sagt sie. Aus Gütersloh ist das Paar vor einigen Jahren in den Norden gekommen, wollten sich erst in Lübeck niederlassen, haben sich dann aber auch im benachbarten Mecklenburg umgesehen, wo sie schließlich sesshaft geworden sind.

Auf das Haus in Waldberg stießen sie aus Zufall. Eigentlich wollten sie sich noch einmal kleiner setzen, aber dann verfielen sie dem Charme des unscheinbaren Gebäudes. Vieles aus dessen nunmehr fast zweihundertjähriger Geschichte ist noch erhalten: Originale Bodenfliesen und die Veranda aus Holz,  der Dielenfußboden, die großen Flügeltüren im Erdgeschoss. Dort haben sie ein kleines Café eingerichtet – bei schönem Wetter kann man auch vor der Tür im Grünen sitzen. Im Caféraum präsentieren sie wechselnde Ausstellungen regionaler Künstler*innen, veranstalten Kulturabende, Lesungen, Workshops – kürzlich einer zum alten Handwerk des Spinnens. Immer wieder lassen sich die beiden Neues einfallen, Haus und Umfeld zu beleben, interessierte Gäste in ihrem Haus willkommen zu heißen.

Ein ausführlicher Beitrag über das Gutshaus und seine Menschen ist erschienen in Ausgabe 2 des VielSehn-Magazins.

Adresse
Gutshaus Waldberg
Waldberg 1
17109 Demmin

Stöberzeiten
mittwochs – samstags 10:00 – 17:00 Uhr
Café: ab April Freitag & Samstag
mittwochs ab 16.00 Uhr: Handarbeitstreffen mit Spinnen, Häkeln und Stricken

Aktuelle Veranstaltungen im Gutshaus Waldberg finden sie hier.